Kasernenareal Zürich: Klimagerecht leben, haushalten und feiern auf dem Kasernenareal

Unser Vorschlag: die Stadt kauft das Kasernenareal und wir bauen zwei ökologische Modellnachbarschaften

Heraus aus der Planungs-Sackgasse

Der bisherige Masterplan wurde vom Kanton blockiert. Er ist sowieso nicht mehr zeitgemäss und nur eine Verlegenheitslösung. Ein zukunftstauglicher Neubeginn bedeutet, dass die Stadt selbst aktiv wird. Zürich braucht dringend ein klares Modell für einen klimagerechten Stadtumbau: Das Kasernenareal bietet sich an.

Wie stellen wir uns das vor?

  • alle heutigen Grünflächen bleiben erhalten und sind öffentlich zugänglich
  • rund um den Park herum entsteht eine überdachte Wandel- und Begegnungshalle, die einen Spaziergang auch bei schlechtem Wetter erlaubt (in dieser Halle können auch Ausstellungen stattfinden)
  • die ökologisch kaum sanierbaren und nur schlechte Erinnerungen weckenden alten Gebäude werden abgerissen und durch zwei kompakte 5- bis 6-geschossige Blockrandbauten ersetzt
  • alle Erdgeschosse bleiben halb-öffentlichen und öffentlichen Nutzungen vorbehalten (das wäre sogar mehr als heute): Restaurants, Werkstätten usw.
  • die zwei Nachbarschaften (SILA bei der Sihl – KANO bei der Kanonengasse) werden gemäss den modernsten ökotechnischen Standards gebaut
  • in den zwei Nachbarschaften wohnen je ca. 500 Menschen, demographisch gemischt
  • die Wohnungen sind für alle sozialen Gruppen erschwinglich
  • wer einzieht, erfüllt punkto Wohnfläche, Mobilität, Benutzung der Infrastruktur und Mitarbeit ehrgeizige Bedingungen – zum Mietvertrag kommt etwa automatisch ein interner Arbeitsvertrag, siehe «zusammen haushalten» von Neustart Schweiz; Privatautos sind ausgeschlossen.
  • es gibt in den Erdgeschossen öffentliche Ökolabors und in den zwei Nachbarschaften Wohnraum für je 20 Besuchende, die das Funktionieren einer Nachbarschaft miterleben und üben (auch Schulklassen oder andere Gruppen)


Grundriss des Areals: Kano in Orange, Sila in Violett;
Kanonengasse links oben, Sihl rechts unten

Wir überschreiten fünf von acht ökologischen Grenzen

Nachfolgende Grafik stellt unseren Umweltverbrauch in acht Dimensionen dar. Die punktierte Linie entspricht den ökologischen Grenzen des Planeten. Beim Klimawandel sind wir fast zehnmal darüber, aber auch Artensterben und Stickstoffflüsse machen Sorgen (Zahlen gemäss: Die Andere Stadt, 2017).

Gemäss diesen und anderen Zahlen (ökologischer Fussabdruck, CO2-Ausstoss) wird es nicht genügen, etwas weniger Fleisch zu essen, aufs Elektromobil umzusteigen oder die Heizungen zu ersetzen.

Wir müssen unsere ganze Lebens- und Wirtschaftsweise völlig umstellen, also das ganze System verändern. Dabei geht es nicht nur darum, dass wir anders leben; alle der bald 10 Milliarden Menschen auf dem Planeten haben das Recht auf ein gutes, ökologisches Leben.
Essen, Wohnen und Verkehr machen zwei Drittel unserer Umweltbelastung aus. Da sind wir alle gefordert: Wir müssen anders essen, weniger Wohnfläche beanspruchen und weniger herumfahren.

Ein umweltverträgliches Menü sähe in etwa so aus (technologische Fortschritte sind bereits eingerechnet):

  • 20 qm Privatwohnraum (Schweiz heute: 45)
  • 2,5 qm Anteil an gemeinsam genutzter Fläche (1250 qm im Mikrozentrum)
  • kein Auto
  • keine Flüge
  • 6 Personenkilometer Regionalzug pro Tag (Schweiz heute: 6 km)
  • Europareise Bahn: 1000 km pro Jahr
  • Schiffsreise: 1000 km pro Jahr
  • 15 kg Fleisch pro Jahr (4,3 kg Rind, 7,6 kg Schwein, 3,2 kg Geflügel; Schweiz heute: 50 kg; USA: 120 kg; Welt: 45kg; China: 42 kg)
  • 3 Stunden Internet pro Woche (heute: 7 Stunden)
  • 1 Zeitung pro Tag pro 50 Bewohnende

Ein klimagerechter Lebensstil basiert auf Zusammenarbeiten sowie Teilen in Nachbarschaften

Um das Ökobudget einzuhalten, können wir bspw. weniger Wohnraum beanspruchen und mehr Fleisch essen – oder kein Fleisch essen und ein bisschen Auto fahren. Doch individuell macht es gar keinen Sinn, solche ökologischen Vorgaben durchsetzen zu wollen: wir sollten teilen und kooperieren. Darum schlagen wir als wichtigstes Element einer neuen Lebensweise vor, dass unsere Siedlungen in ökologische und soziale Nachbarschaften von rund 500 Menschen umgebaut werden:

  • wir können unseren kleineren privaten Wohnraum mit grossen, gemeinsam Räumen im Erdgeschoss ergänzen (Mikrozentrum)
  • wir können grössere Grünflächen gemeinsam benutzen
  • wir können je nach Lebensphase Wohneinheiten zusammenschalten und haben dann z.B. zu viert eine 80 m2 grosse Wohnung
  • wir können an Ort und Stelle Geräte, Fahrzeuge, Computer, Werkzeuge, Möbel, Kleider und vor allem Lebensmittel teilen
  • wir können uns mit Bauernhöfen der Region zusammentun, unsere Lebensmittel direkt beziehen und bei der Produktion mitarbeiten
  • wir können uns bei der Hausarbeit, der Betreuung, Pflege und Unterhaltung gegenseitig helfen
  • so lange der Durchschnitt stimmt, können wir unsere persönlichen Ökobudgets flexibler gestalten

Grosse, kompakte Gebäude sind ökologisch effizienter, verkürzen die Wege, machen technologische Investitionen lohnender. Der Landverbrauch ist geringer. Nachbarschaften können ein reichhaltiges Alltagsleben bieten, so dass wir weniger herumfahren müssen.

Das Leben in Nachbarschaften entsteht nicht von selbst: es braucht Vorbilder, Übungsmöglichkeiten, konkrete Inspiration. Das Kasernenareal wäre ein idealer Ort für diesen ökologischen Umbau. Es ist zentral, man erreicht es leicht, alle können sehen, was vor sich geht.

Also: Die Stadt kauft das Kasernenareal und gibt davon zwei Grundstücke im Baurecht an Genossenschaften ab. Darauf entstehen zwei vorbildliche Beispiele einer nachbarschaftlichen Stadt der Zukunft.