Hardturmareal

Stadion in Zürich abgelehnt; Wohnsiedlung angenommen. Was nun?

Fna, Cro, Pni und THEMA!

Zürichs Stimmenden befürworteten «bezahlbare Wohnungen für Zürich» (Nov. 2011), gaben die Zustimmung zur 2000-Watt-Gesellschaft (Nov. 2008), wollen eine Abkehr von der autozentrierten Verkehrspolitik («Städteinitative», Sept. 2011) und schliesslich stimmten sie Ja zur Wohnsiedlung im Hardturm und Nein zum Stadion (Sept. 2013). Diese Haltung liegt dem Vorschlag «Fna, Cro, Pni und THEMA!» zugrunde. Damit schaffen wir günstigen Wohnraum, erproben und leben die 2000-Watt-Gesellschaft und können ausserdem die Wirtschaft der Zukunft entwickeln.


Klicken Sie auf das Bild, um es vergrössert anzuzeigen. Anmerkung: Unsere Skizzen sind keine architektonisch gemeinten Vorschläge, sondern Stimmungsbilder.
 

«Fna, Cro, Pni & THEMA!» richten sich an folgenden Zielen aus:
Nutzen für die Stadt: eine ökologische, autofreie Pionieranlage der 2000-Watt-Gesellschaft.
Aufzeigen, dass das 2000-Watt-Leben Mehrgewinn und kein Verzicht darstellt.
Nutzen fürs Quartier: Es erhält Wohnraum, Arbeitsplätze, Kultur und Quartierleben.
Bezahlbare Kultur- und Gewerbeflächen sowie Wohnungen für rund 1500 Menschen: Junge und Alte, Reiche und Arme, Singles und WGs, Familien und Alleinerziehende, mit oder ohne Handicap…
Erprobung von nachhaltigen Lebensweisen: genussreiches, ökologisches Leben und Arbeiten wird ermöglicht und gefördert.
Ein Ausweg aus der verfahrenen Landwirtschaftspolitik: direkte Verknüpfung der Abnehmer mit Bauernbetrieben der Region.
Kostenersparnisse durch suffiziente Lebensweise bei gleichzeitiger Erhöhung von Lebensqualität sowie Versorgungssicherheit – auch im Alter.
Vielfältiges, selbstbestimmtes Alltagsleben. Die heutigen Aktivitäten auf der Stadionbrache können weiter bestehen und weiterentwickelt werden.

Wenn wir die Energiewende und dazu noch die 2000-Watt-Gesellschaft schaffen wollen, werden einige technische Anpassungen und Preiserhöhungen nicht genügen. Auch Verbote und Anreize bringen es nicht. Was wir brauchen, sind Angebote für eine andere, zukunftstaugliche, aber zugleich genussreiche Lebensweise (siehe: «Ökologie», Mikroagro sowie Mikrozentrum)

Das Hardturmareal, das ja uns (der Stadt) gehört, bietet dafür eine einmalige Chance.

Ein Grund, warum die Stimmbürger das Stadion abgelehnt haben, sind die Veränderungen, die in Zürich West in den letzten Jahren stattgefunden haben. Es entsteht dort ein neues gemischtes Quartier von Wohnen und Arbeiten, ein «spannendes Stück Stadt», wenn wir den Immobilienentwicklern glauben wollen.

Während das Stadion früher am Rande eines Industriequartiers stand, wäre es heute mitten in einem Wohnquartier gebaut worden, eigentlich im Offside.

Es geht also jetzt darum, das Quartier vernünftig fertig zu bauen.

Da es absehbar ist, dass der Bedarf an Wohnungen, bzw. zusätzlicher Wohnfläche, in naher Zukunft gedeckt sein wird, ist es nicht mehr sinnvoll, auf jedem freien Areal einfach nur Wohnungen zu bauen. De facto herrscht sowieso keine Wohnungsnot, sondern Verschwendung von Wohnraum. Etwas Wohnraum von der richtigen Art (ökologische Gebäude, kleine Wohnungen, kollektive Wohnformen) brauchen wir aber schon noch.

Viel wichtiger ist es jedoch – von einem ökologischen Gesichtspunkt aus – wieder mehr nützliche Produktion in die Stadt zu holen (Stichwort: Relokalisierung).

Wir werden eine Art Re-Industrialisierung beginnen müssen, die allerdings materiell anders ausgerichtet und sozial neu organisiert werden muss: Wir müssen Konsumprodukte durch haltbare, ökologisch verantwortbare Gebrauchsgüter ersetzen und sie unter demiurgischen Bedingungen (unter Einbezug der Benützerinnen und Benützer) herstellen. Das sind die Aufgaben der Zukunft.

Nicht nur das Hardturmquartier hat sich in den letzten Jahren verändert, sondern auch das Bewusstsein der Stadtbevölkerung. Seit dem Zusammenbruch 2008 und der anhaltenden Schuldenkrise haben wir andere Sorgen als Fussballstadien.

Darum schlagen wir eine Überbauung vor, die Wohnen und Arbeiten kombiniert:

Fna, Cro und Pni

Auf dem Areal (ca. 5 Hektar) werden drei Nachbarschaften (mit je um die 500 BewohnerInnen, siehe «was ist eine Nachbarschaft») errichtet, als unabhängige Genossenschaften. Die Stadt überlässt ihnen das Land zu einem bezahlbaren Baurechtszins. (Momentan betrüge der Bodenpreis ca. 900 Franken pro Quadratmeter.) Wir laden die Baugenossenschaften der Stadt Zürich ein, bei der Umsetzung mitzumachen.

Falls die CS immer noch mitmischen will, darf sie Fna finanzieren, für die UBS bliebe Cro, für die ZKB Pni. Das wäre dann der neue Bankenplatz von Zürich.

Fna, Cro und Pni sind keine konkreten Projektdefinitionen, sondern stehen metaphorisch-zufällig für die neue Vielfalt an möglichen Lebensweisen. Nachbarschaften sind auch Spielräume.

Man kann sie auch ganz anders nennen: Hardturm A, B und C. Je nach dem, was der partizipative Prozess dann eben erbringt.

Unter Fna stellen wir uns eine Nachbarschaft vor für Leute, die es gerne langsam, besinnlich, erdig und ein bisschen orientalisch hätten. Fna ist gegen aussen ziemlich verschlossen, hat aber einen wunderbaren inneren Garten (eine Art Riad) mit Rosenbüschen, Brunnen, Bädern, Kräutergärten. Man trägt lose Kleider, trinkt viel Tee, macht Yoga und erzählt sich pausenlos Märchen. Oft kommen dann auch Leute aus Cro und Pni vorbei.

Cro ist eher etwas für VerehrerInnen des Einfachen, Elementaren, eine Mischung von paläolithischer Gross-WG (die Eingangslobby ist eine 1:1 Nachbildung der Höhlen von Lascaux), Marskolonie und Indianerstamm. Ein Hauch südfranzösischer Kultur weht allerdings mit (Trüffel, Cassoulet, Bordeaux-Weine, Armagnac). Der Innenplatz wird eher für Pétanque, Clan-Treffen, als Hühnerhof und als Campingplatz benützt. Cro hat natürlich einen integrierten Kletterberg (besser als Boulder) mit Höhlensystem zum Wohnen und zur Champignonzucht.

Pni wiederum hat einen mit einer immensen Bibliothek kombinierten Kreuzgang, wo man bummelnd lesen und stolpern kann. In der Mitte hat man einen kleinen Birkenhain gepflanzt und einige Bänke mit seltsamen Mottos aufgestellt: «Wirklich steht neu für künstlich.» «Dies ist keine Bank.» «Weder Theorie noch Praxis.» Daneben steht ein Brotofen, von dem man nicht weiss, woher er kommt. Chaos, Umständlichkeit, schlechte Planung, Toleranz bis zur Nachlässigkeit: Die Pni-nerInnen sind nicht ganz von dieser Welt, dafür haben sie enge Freundschaftskontakte nach Irland, Griechenland und Omsk. Irgendwie schaffen sie es immer wieder, aber nur knapp.

Relokalisierung für die 2000-Watt-Gesellschaft

Die neuen Nachbarschaften und THEMA sind nicht ortsspezifische Vorschläge für das Hardturmquartier: alle Zürcherinnen und Zürcher sollen in funktionierenden Nachbarschaften leben können, jedes Stadtquartier braucht sein eigenes THEMA. Die Stadt selbst hat schon viele Super-«THEMAs» (VBZ, EWZ usw.), könnte aber noch einige mehr brauchen (vielleicht auf den neu frei werdenden Arealen in Oerlikon). Wenn wir die 2000-Watt-Gesellschaft schaffen wollen, braucht es eine generelle Relokalisierung und weniger Trennung von Arbeiten und Wohnen. Fna & Co. ist also nicht nur als Verlegenheitslösung für ein spezifisches Areal gedacht, sondern als ein möglicher Anfang eines gesamthaften Umbaus unserer Lebens- und Wirtschaftsweise (natürlich in einem globalen Kontext).

Ein gemütliches Plätzchen

Die drei Nachbarschaften, THEMA sowie die angrenzenden Überbauungen des Hardturmquartiers verfügen gemeinsam über einen Quartierplatz, (heute Kreuzung Förrlibuckstrasse/Sportweg), wo sich – angelehnt an THEMA – weitere Dienstleistungen ansiedeln: multispirituelle Kapelle, Gesundheitszentrum, Polizei, Gross-Café mit Gratis-Zeitungen, Ur-Migros (nur mit Produkten bis 1953), Traiteur, Coiffeur, Zigarrenladen, Parfümerie usw.

Die Nutzungen, die sich bisher auf der Stadionbrache entwickelt haben, lassen sich ganz leicht auf die grossen Innenhöfe der drei Nachbarschaften verteilen und bekommen so eine langfristige Zuständigkeit. Insgesamt bieten diese Höfe sogar noch mehr Raum. Es ist logisch, dass die Nachbarschaften Nutzungen tauschen und ihre Innenhöfe gemeinsam beleben.