Neue Strukturen

Schuldenkrise, Umweltzerstörung, Energiewende: Notwendig umzudenken und der Verschwendung natürlicher Ressourcen ein Ende zu setzen. Das ist möglich, ohne dass der Wohlstand sinkt – und ergibt gar ein Leben mit mehr Lebensqualität

In der Schweiz ist es derzeit wenig spürbar, doch Kapital und Industrie, die Grundlagen unserer Gesellschaft, befinden sich in einer Krise. Denn das Wirtschaftssystem ist auf ständiges Wachstum ausgerichtet. Doch die Welt ist endlich, Wachstum ist nur mehr durch Ausbeutung von Mensch und Natur möglich.

Wächst die Weltwirtschaft durchschnittlich pro Jahr um zwei Prozent – gemäss Ökonomen ein «gesunder» Wert –, verdoppelt sie sich in 35 Jahren. Also verbrauchen wir in 35 Jahren drei Planeten, heute sind es anderthalb – im Durchschnitt; der Anteil der «zivilisierten» Gesellschaft ist dabei wesentlich grösser. Woher sollen wir die Planeten nehmen? So kann das wirklich nicht weiter gehen. Wollen wir unsere Lebensgrundlage nicht zerstören, müssen Alternativen zum Wachstumszwang gefunden werden.

Als Antwort auf diese Herausforderungen, haben wir neben dem Nachbarschaftsmodell die Konzepte Landbasis, Mikrozentren und THEMA-Werkstätten entworfen. Damit können wir den Ressourcenverschleiss drastisch reduzieren, ohne verzichten zu müssen. Vielmehr wird die Versorgung qualitativ besser und ist individuell auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sein. Da wir uns selber einbringen können, wird das Leben zudem gar kostengünstiger.

Das meiste gibt es bereits; müssten wir all die historisch gewachsenen Versorgungsstrukturen neu erfinden und einrichten, stünden wir tatsächlich vor einer Herkulesaufgabe. Aber es genügt, wenn wir die bestehenden Versorgungsnetze an die neuen Bedürfnisse des gemeinsamen Wohlstands anpassen.

Bei sich selbst beginnen

Als begleitende Massnahmen dienen etwa folgenden Verhaltensweisen:

  • auf den Kauf der neuen (energieeffizienten, hybriden) Autos verzichten, da es so etwas wie ein ökologisch nachhaltiges Auto gar nicht gibt - ein Elektroauto ist gleichzeitig ein nukleares Auto oder ein mit Kohle betriebenes Auto
  • Lebens- und Arbeitsräume auf Fuss- oder Fahrraddistanz zusammen legen
  • anstatt das Umland mit Eigenheimen zu zersiedeln, lieber in städtische Gemeinschaften zusammenleben
  • auf ökologische Produkte, Standards und Dienstleistungen bestehen
  • sich mit Landwirten verbinden, Einkaufszentren und Grossverteiler meiden
  • saisonal essen, weniger dafür bewusster arbeiten, langsam reisen
  • weniger kommerziell konsumieren, mehr gemeinschaftlich teilen und gemeinsam etwas unternehmen
  • Güter nicht horten, sondern andere daran teilhaben lassen

Diese meist individuellen Aktivitäten können gemeinsame Aktionen nicht ersetzen, aber als «nahrhafte Beilage» dienen. Wir können zuversichtlich sein, dass sich schon bald viele Gelegenheiten für gemeinsame Aktionen ergeben werden.