Hardturmareal Zürich

Wir sind mit dem Stadtrat von Zürich in schriftlichem Kontakt. Wer das noch nicht mitbekommen hat, beginne unten an der Seite und lese zuerst unser Schreiben und darauf die Antwort des Stadtrates. Das Neuste in diesem Briefwechsel ist unser Feedback auf den stadträtliche Antwort, auf welches wir bisher nur eine Empfangsbestätigung erhielten mit dem Hinweis, eine Antwort werde erfolgen:

Zürich, 18. Oktober 2014

Areal(e) für ökologisch und sozial integrierte Nachbarschaften

Sehr geehrter Herr Leupi

Vielen Dank für Ihr Schreiben vom 9. September 2014. Es freut uns sehr, dass Ihnen offensichtlich unser Konzept zusagt. Nur so lässt sich die 2000-Watt-Gesellschaft konkret realisieren – dies mit wesentlich höherer Lebensqualität, als bei heutigen Siedlungsformen üblich – und «there is no alternative», wollen wir auch unseren Nachfahren eine lebenswerte Welt hinterlassen.

Damit sich eine entsprechend ressourcenschonende Lebensweise auch in bestehenden Siedlung etablieren kann, braucht es konkrete Beispiele. Um nicht zu viele Kompromisse eingehen zu müssen und wirklich einen selbstredenden «Leuchtturm» zu erhalten, muss ein Vorzeigeprojekt einer multifunktionalen, sozial und ökologisch integrierten Nachbarschaft neu gebaut werden. Dazu wäre lediglich eine Fläche von einer Hektare nötig, falls ein Bau mit bis zu acht Stockwerken realisiert werden kann. Da würden dann rund 500 Menschen leben können.

Für mindestens eine solche multifunktionale Nachbarschaft käme neben dem Hardturm-Areal auch etwa das Koch- oder das Kasernen-Areal in Frage. Am Hardturm-Areal halten wir weiterhin fest, denn den im Kreis 5 geschaffenen Geschäftsflächen sollte mehr Wohnraum gegenüber gestellt werden – Pendeln ist weder ökologisch noch ökonomisch und schlicht nicht lustvoll. Das Hardturm-Areal ist unseres Erachtens zudem nicht (mehr) geeignet für ein überregionales Fussball-Stadion. Ein solches braucht einen Bahnhof in der Nähe und nicht Wohnungen und Business-Hotels.

Sollte der vom Stadtrat vorgesehene Weg zur Realisierung des Stadions nicht zustande kommen, müsste eh das Gespräch mit der Credit Suisse (CS) aufgenommen werden. Mit Hinblick darauf, dass die CS seit 2008 und bis auf weiteres keine Steuern bezahlen muss, könnten die Bedingungen des Kaufvertrags sicherlich neu verhandelt werden. Wir gehen übrigens davon aus, der Stadtrat erkennt, dass der Vorschlag von Swiss Prime Site eine Mogelpackung ist, die weder eine gangbare Lösung für die Fussballclubs noch für das Wohnungsproblem darstellt und vor allem schlussendlich die Stadtkasse immens belasten würde.

Doch wie gesagt sind wir nicht zwingend auf das Hardturm-Areal fixiert. Wichtig ist uns eine zentrale Lage: Eine Nachbarschaft nach unserem Konzept wird viele Interessenten aus dem In- und Ausland anlocken – denn so wird die moderne 2000-Watt-Lebensweise erstmals erlebbar. Und Zürich erhielte damit eine Spitzenstellung in Fragen zu zukunftsfähigen Lebensweisen.

Unser Konzept der multifunktionalen Nachbarschaft bald umzusetzen ist zum Nutzen aller. Und es wäre schade für Zürich, wenn wir etwa von Basel, Luzern, Bern oder dem Ausland überholt würden; das Konzept wird bereits vielerorts diskutiert und gilt als umsetzbar und enorm sinnvoll. Daher möchten wir den Dialog mit Ihnen und der Stadt weiterführen und intensivieren – gerne auch in persönlichen Gesprächen; entsprechende Terminvorschläge sind uns sehr willkommen und geniessen bei uns eine hohe Priorität.

Freundliche Grüsse

Im Namen des Vorstands

Fred Frohofer
Co-Präsident der Bau- und Wohngenossenschaft NeNa1

Beilage: Unser Konzept in Form der Broschüre «Nachbarschaften entwickeln»

Antwort des Stadtrates auf unseren untenstehenden Brief vom 17. August:

Zürich, 17. August 2014


Offener Brief an die Stadtregierung Zürich

Lieber Stadtrat

Seit der Volksabstimmung über die Nutzung des Hardturmareals ist fast ein Jahr vergangen. Unseres Erachtens ist der Zeitpunkt gekommen um nach vorne zu schauen und neue Ideen zu entwickeln.

Wir fordern die Stadt auf, umgehend Verhandlungen mit der Credit Suisse aufzunehmen, mit dem Ziel, das Grundstück interessierten Wohngenossenschaften für eine Überbauung im Baurecht zur Verfügung zu stellen.

Dieses Areal bietet die einmalige Chance die urbane Qualität von Zürich West wesentlich zu verbessern. Hier könnte ein lebhafter und durchmischter Quartierteil entstehen, der über vielfältige Nutzungen und attraktive öffentliche Räume verfügt. Rund 600 bezahlbare Wohnungen könnten realisiert werden. Ein exemplarischer Schritt hin zur 2000-Watt-Gesellschaft könnte getan werden.

Wir schlagen drei unabhängige nachbarschaftliche Wohngenossenschaften vor, die mit einer neuartigen Werkgenossenschaft (siehe unten) entlang der Pfingstweidstrasse ergänzt werden. So wird Wohnen und Arbeiten in Fussdistanz verbunden. Die beteiligten Genossenschaften sollen sich auf einen Gesamtüberbauungsplan einigen und in ihren Projekten je ihre eigene Interpretation einer Nachbarschaft verwirklichen, mit dem Ziel eine 2000-Watt-Gesellschaft umzusetzen.

An einem Wettbewerb würden wir uns als NeNa1 mit unseren Konzepten und Ideen beteiligen (siehe unten).

Wir freuen uns, wenn wir Sie für unseren Vorschlag begeistern können. Gemeinsam lässt sich ein würdiger Abschluss von Zürich West verwirklichen.

Wir bitten Sie um eine baldige Antwort.

Für Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüsse

Gabor Doka & Fred Frohofer
Co-Präsidenten der Bau- und Wohngenossenschaft NeNa1


Vorschlag für eine Überbauung des Hardturmareals

Drei Genossenschaften realisieren auf dem ehemaligen Stadionareal je eine innovative Wohnüberbauung à je 200 Wohnungen – plus eine Werkgenossenschaft THEMA (Textil, Holz, Elektr(on)ik, Metall, Anderes). Die drei Genossenschaften sind gemeinsam mit anderen Wohngenossenschaften des Kreises 5 und mit den entstehenden Produktionsgenossenschaften die Träger der Werkgenossenschaft (an der Pfingstweidstrasse). Diese steht allen Bewohnern des Stadtkreises 5 offen.

Die drei Genossenschaften einigen sich auf einige Eckwerte für die gesamte Überbauung, z.B.:

  • 2000 Watt kompatibel
  • Werkgenossenschaft THEMA
  • Direktbelieferung durch landwirtschaftliche Betriebe der Region (mindestens 60%)
  • alltagslogistische Infrastruktur im Erdgeschoss von mindestens 1000m2 («Mikrozentrum»)
  • Partizipationsverfahren für künftige Bewohnerinnen und Bewohner
  • maximal 2000 CHF/Monat für 100m2 Wohnraum
  • Wohnfläche von 35m2 pro Bewohner_in (Durchschnitt)
  • je um die 500 BewohnerInnen, demographisch gemischt
  • autofrei
  • breite Palette von Wohnungsgrössen und -formen, barrierenfrei

Diese Skizze soll eine Impression von städtischer Dichte, Vielfalt, Freundlichkeit und Nachbarschaftlichkeit vermitteln. Klicken Sie auf das Bild, um es vergrössert bzw. in einer druckfähigen Version anzuzeigen.

Nena1

Unsere Genossenschaft (momentan 125 Mitglieder) richtet sich an folgenden Zielen aus (Artikel 3 der Statuten):

«NeNa1 strebt einen durchschnittlichen Energieverbrauch von höchstens 2000 Watt pro Person an.

NeNa1 ermöglicht Lebens- und Arbeitsformen, die sich an den Prinzipien der Erhaltung und Schaffung von Commons (Gemeingüter) orientieren und somit Alternativen zur gegenwärtigen gewinn- und wachstumsorientierten Wirtschaft bieten.

Die Genossenschaft erreicht ihre Ziele durch die Errichtung, den Umbau bestehender Bauten und den Betrieb von Nachbarschaften mit folgenden Grundeigenschaften:

  • ca. 350 bis 600 Bewohnende
  • ca. 150 bis 300 Wohnungen
  • Gästehaus für ca. 20 Personen
  • verdichtete, ökologische Bauweise in städtischer Umgebung
  • vertragslandwirtschaftliche Anbindung mit Agrarbetrieben der Region
  • reichhaltige gemeinschaftlich betriebene Infrastruktur (Mikrozentrum) für alltägliche Dienstleistungen
  • verbindliche Mitwirkung der Bewohnenden beim Betrieb der Infrastruktur
  • Mobilität basierend auf öffentlichem Verkehr und keinen oder wenigen mietbaren Autos
  • grosszügige Infrastruktur für Fahrräder»